Provence
Das Zentrum der Roséweine
In der südöstlichsten Ecke Frankreichs erstreckt sich an der berühmten Côte d’Azur die Provence, von Marseille im Westen bis Nizza im Osten. Allein der Name der Region weckt Assoziationen an Lavendelfelder, Garrigue, Olivenbäume und malerische Hügel, die schon Maler wie Cézanne oder van Gogh wegen ihrer Schönheit auf einer Vielzahl Gemälden festhielten. Doch die Provence ist mehr als nur eine idyllische Landschaft – sie ist eine lebendige Region mit reicher Geschichte und bedeutender Weinbautradition.
Böden und Klima der Provence
Seinen Namen hat die Provence von den Römern, die die Provincia Romana 154 v. Chr. unterwarfen. Doch schon die Griechen erkannten im 6. Jahrhundert v. Chr., dass sich das Klima und die kargen Böden der Provence bestens dazu eigneten, Reben anzupflanzen. Im Westen, rund um den Montagne Sainte-Victoire und das Massiv von Sainte Beaume, dominieren kalkhaltige Böden. Im Osten treten dagegen die kristallinen Böden des Massif des Maures und des Tanneron-Massivs an die Oberfläche. Neben diesen vorherrschenden Bodentypen gibt es in der Provence auch sandige und lehmige Böden, die sich vor allem im Landesinneren wiederfinden.
Das mediterrane Klima sorgt für milde Winter, heiße Sommer und lange, sonnige Herbsttage. Bis zu 3000 Sonnenstunden zählt die Region im Jahr. Hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht tragen dazu bei, dass die Trauben eine ausgeprägte Frucht und frische Säure entwickeln. Im Winter und Frühjahr bringt der feuchte, aus Südost wehende Meerwind Marin Regenfälle mit sich. Doch insgesamt kommt die Region auf gerade einmal auf 700 mm Niederschlagsmenge pro Jahr. Das trockene Klima und der kräftige, aus dem Rhônetal kommende Nordwind Mistral reduzieren den Druck durch Pilzkrankheiten deutlich. So ist es nicht überraschend, dass die Zahl biologisch und biodynamisch arbeitender Betriebe in der Provence besonders hoch ist.
Die Regionen der Provence
540 Weingüter und 60 Winzergenossenschaften bewirtschaften etwa 25.000 Hektar Rebfläche. Die Provence ist in neun AOC-Gebiete unterteilt, darunter die Appellationen Côtes de Provence, Coteaux d’Aix-en-Provence und Coteaux Varois en Provence, die zusammen 96 % der Weine mit Ursprungsbezeichnung ausmachen. Doch es sind vor allem die kleinen Appellationen, die in den letzten Jahren für internationales Aufsehen gesorgt haben. Beispielsweise Bandol, wo Mourvèdre dominierte Rotweine den Ton angeben, oder auch die winzige Appellation Palette, deren hochwertige Roséweine oft als inoffizielle Grand Crus der Provence gesehen werden.
Die Weine der Provence
Doch am Ende steht die Provence vor allem für eines: Roséweine. Das Weinbaugebiet ist Frankreichs führende Erzeugerregion für AOC-Roséweine und liefert jährlich zwischen 40-45 % der nationalen Produktion sowie über 5 % der Roséweine weltweit. Innerhalb der Provence machen Roséweine fast 90% der Produktion aus. Eine Besonderheit ist, dass die Roséweine neben roten auch einen Teil weiße Rebsorten enthalten dürfen.
Nach Griechen und Römern gehörte die stark umkämpfte Region zum Frankenreich, dann zum Königreich Burgund, später den Königen von Aragón, dann den Herzögen von Anjou, und schließlich dem König von Sardinien, bevor sie Teil Frankreichs wurde. Dies erklärt auch die breite Palette an Rebsorten, die hier zugelassen sind. Die wichtigsten Rotweinsorten sind Mourvèdre, Grenache, Cinsault und Syrah, während bei den Weißweinen Sorten wie Clairette, Rolle (Vermentino) und Ugni Blanc dominieren.