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Blick auf Kirche mit Weinberg an der Loire
Blick auf Kirche mit Weinberg an der Loire

Crémant de Loire

Crémant de Loire – Eleganz und Vielschichtigkeit

Die Deutschen lieben Ihren Crémant de Loire! Denn Deutschland ist mit rund neun Millionen Flaschen jährlich der weltweit größte Exportmarkt des nach traditioneller Methode hergestellten Schaumweins. Da liegt der Gedanke nahe, dass dies im oft kolportierten Unwillen der Deutschen gründet, sich ihren Genuss etwas kosten zu lassen. Immerhin kostet, was von den Kalksteinböden der Touraine bis zu den Schieferhängen des Anjou wächst, weit weniger als ein Champagne. Aber vielleicht haben die Deutschen ja auch nur verstanden, dass ein Crémant de Loire weit mehr ist als Champagne der „kleinen Leute“.

 



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Die Appellation Crémant de Loire erstreckt sich über 12.000 Hektar, die sich auf einer Länge von rund 250 Kilometern verteilen – womit die Appellation diejenige mit der größten Längsausdehnung in Frankreich ist. Das Anbaugebiet erstreckt sich von den kontinental beeinflussten Osträndern der Touraine bis zum atlantisch geprägten Anjou im äußersten Westen. Zu den klimatischen und geologischen Unterschieden innerhalb der Appellation kommt eine ungewöhnliche breite Rebsortenpalette, die für den Crémant de Loire zugelassen ist. Und dennoch verfügen die Crémant de Loire über stilistische Gemeinsamkeiten, die sie von den restlichen Schaumwein-Appellationen der Loire, den übrigen Crémant-Appellationen Frankreichs und den Schäumern aus der Champagne unterscheiden.

 

Crémant – eine kurze Begriffsgeschichte 

Ursprünglich wurde der Begriff „Crémant“ - der vom französischen Wort crémeux für „cremig“ stammt – für Champagne verwendet, die einen Flaschendruck von weniger als den üblichen sechs bis acht bar haben. Aufgrund des geringeren Drucks verfügen diese Champagne über eine feinere Mousse, die wir als cremige Textur wahrnehmen. Um Verwechslungen mit anderen Schaumwein-Appellationen zu vermeiden, wurde die Bezeichnung jedoch 1994 in der Champagne verboten.

Heutzutage wird die Bezeichnung Crémant für Schaumweine aus acht verschiedenen französischen Herkunftsregionen verwendet. Darüber hinaus gibt es sogar Crémant aus Luxemburg, Belgien, Deutschland und vom Ostufer des Gardasees. Dies rührt daher, dass Crémant - so der Europäische Gerichtshof im Jahr 1994 - keine Herkunft, sondern ein Herstellungsverfahren für Schaumweine bezeichne – wenngleich bei allen genannten Crémants genau definierte geschützte Ursprungsbezeichnungen mit angegeben werden müssen. Hier aber soll es ausschließlich um den Crémant de Loire gehen.

 

Vom Royal Brut zum Crémant de Loire – eine kurze Geschichte des Schaumweins an der Loire 

Die Geschichte des Schaumweins an der Loire beginnt mit der Ankunft von Jean-Baptiste Ackermann in Saumur im Jahr 1811. Der junge Belgier gründete einen florierenden Weinhandel, bevor er sich einige Jahre später an die Produktion von Schaumweinen aus den regionalen Rebsorten machte, die er unter dem Namen Royal Brut vermarktete.  Dabei wendete er das Verfahren zur Schaumweinherstellung an, das er zuvor in der Champagne kennengelernt hatte. Der wirtschaftliche Erfolg von Ackermann lockte weitere Produzenten nach Saumur. Und so entwickelte sich das Städtchen schnell zum Zentrum der Schaumweinproduktion an der Loire. Eine Bedeutung, die Saumur noch heute inne hat.

Deshalb verwundert es kaum, dass die ersten Schaumweine der Loire, die unter dem Namen Crémant vermarktet wurden, die Crémant de Saumur waren. Daneben gab es noch die Crémant de Vouvray. Und noch immer gibt es Schaumweine aus diesen geographisch enger gefassten Loire-Appellationen, auch wenn diese heutzutage nicht mehr den Namen Crémant tragen. Aus den Trauben, die in diesen beiden Appellationen wachsen, können sowohl Schaumweine unter den lokalen Appellationsnamen als auch Crémant de Loire produziert werden. Der Unterschied zwischen den Weinen liegt in den zugelassenen Rebsorten und in den strengeren Produktionsvorschriften für den Crémant de Loire.

Die Appellation Crémant de Loire wurde im Jahr 1975 für Schaumweine der Loire in den Farben weiß und rosé geschaffen, die nach der méthode traditionelle hergestellt wurden - was bedeutet, dass die zweite alkoholische Gärung nach der Herstellung des Grundweins in der Flasche stattfinden muss. Nahezu alle an der Loire wachsenden Rebsorten dürfen verwendet werden – mit Ausnahme vom Sauvignon blanc, der wiederum mit einem Höchstanteil von zehn Prozent für den Saumur mousseux zugelassen ist. Hauptsächlich werden aber für die Crémant de Loire Chardonnay, Chenin blanc, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir, Grolleau und Pineau d’Aunis verwendet. Daneben können aber auch unbekanntere Rebsorten wie Gros Plant, Menu Pineau oder Tressalier verwendet werden.

 

Die Trauben müssen manuell gelesen werden, wobei sogar die Kistengröße für den Transport zur Kelter vorgeschrieben ist. Grundsätzlich wird eine Ganztraubenpressung durchgeführt. Die Ertragsmenge ist auf höchstens 50 Hektoliter pro Hektar begrenzt. Aus 150 Kilogramm Trauben dürfen maximal 100 Liter Most gekeltert werden. Der daraus gewonnene Grundwein wird erneut in der Flasche vergoren. Das bei der Flaschengärung entstehende Kohlendioxid wird im Wein gebunden und verwandelt so den ursprünglichen Stillwein in einen Schaumwein. Danach muss der Wein noch mindestens neun Monate auf der Hefe ruhen - wobei viele der rund 600 Produzenten weit längere Hefesatzlagerzeiten favorisieren - und darf frühestens zwölf Monate nach der Flaschengärung vermarktet werden.

 

Eleganz und Vielschichtigkeit – der Charakter des Crémant de Loire 

Schon beim ersten Schluck eines Crémant de Loire zeigt sich dessen Typizität: Aufgrund des geringeren Flaschendrucks von für gewöhnlich 3,5 bar, wirkt er weicher und voller im Mund als die meisten Champagne. Oder anders formuliert: cremiger.

Denn während viele Champagne mit ihren sechs bis acht bar und der darum weit langlebigeren Kohlensäure oftmals ein kalkiges Gefühl im Mundraum hinterlassen, kleidet ein Crémant de Loire selbigen mit seiner zarteren Mousse sanft aus. Dabei wirkt er ätherischer als die zumeist üppigeren Crémant de Alsace, weniger eigenwillig als die oft kantigeren und würzigeren Crémant de Jura und frischer, weniger fruchtbetont als die Crémant de Limoux aus dem warmen Languedoc.

Typische Charakteristika des Crémant de Loire sind seine Säurespannung und Komplexität, die oftmals dem verwendeten Chenin blanc zu verdanken sind, die strukturelle Vielfalt der Mehrrebsorten-Assemblage und das atlantisch-gemäßigte Terroir, das gleichermaßen Frische und Reife des Leseguts ermöglicht. All dies führt zu seiner stilistischen Eleganz, aromatischen Vielschichtigkeit und einem oftmals überraschenden Alterungspotential. Sicher, manchmal muss es einfach Champagne sein. Aber wenn zur nächsten Spargelsaison weißer Spargel mit Sauce Hollandaise serviert wird, ist der Crémant de Loire der Domaine Ogerau die bessere Wahl.