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Weinberg Coteaux du Loir
Weinberg Coteaux du Loir

Coteaux du Loir

Terroir in Reinform

Es gibt Weinregionen, die man kennt, weil jeder von Ihnen spricht und sie unabdingbar zum Sortiment jeder Weinhandlung gehören. Und es gibt Weinregionen, die man kennt, weil man neugierig genug war, sich einen Schritt abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Die Weine der Coteaux du Loir gehören zur zweiten Kategorie. Sie sind authentische Terroir-Weine, die die klimatischen und geologischen Gegebenheiten ihres Entstehungsortes in Reinform ausdrücken. Und wer ihnen einmal auf seiner önologischen Entdeckungsreise begegnet ist, wird aufgrund ihrer Eleganz, Komplexität und mineralischen Spannung immer wieder zu ihnen zurückkehren.

 

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Rund 40 Kilometer nördlich von Tours befindet sich die Appellation Coteaux du Loir. Ihren Namen verdankt die Appellation dem Flüsschen Loir - ohne „e“ wohlgemerkt! Der Fluss entspringt westlich von Chartres und wandert zunächst Richtung Süden, wendet sich dann gen Westen und fließt parallel zur Loire – mit „e“ –, bevor er bei Angers in die Sarthe mündet. Dieser Lauf verfestigte sich vor rund 400.000 Jahren als die große Hebung des Pariser Beckens und damit einhergehende tektonische Umbrüche den Fluss in ein enges Tal zwangen, wo er sich in den porösen Tuffeau-Kalkstein fraß. Durch diagenetische Prozesse verwandelte sich der Tuffeau an den erodierten Hängen in Feuerstein – womit das geologische Mise en place für die hier entstehenden Weine bereitet war.

Noch wichtiger aber sind die geographischen Gegebenheiten: Denn trotz des mildernden Einflusses des rund 200 Kilometer entfernten Atlantiks wäre die Gegend ohne den nahen Wald Fôret de Bercé, der die eisigen Nordwinde abhält und ein für den Weinbau günstiges Mesoklima schafft, wohl eher für den Kartoffelanbau prädestiniert denn für Weine dieser Güte. Immerhin wir befinden uns in einem der nördlichsten Anbaugebiete der Weinregion Loire, das deutlich kühler als beispielsweise die südlicher gelegene Touraine ist. Und praktischerweise liefert der Fôret de Bercé gleich noch das Material für die Weinfässer, in denen die Weine noch heute traditionellerweise ausgebaut werden. Und diese Tradition reicht weit zurück.

 

Weinbau am Fluss Loir früher und heute

Denn der Weinbau am Loir begann vermutlich im frühen Mittelalter, als Mönche des Klosters Saint-Lézin in Marçon im 6. Jahrhundert begannen, die ersten Hänge um das Flüsschen Loir zu bestocken. François Rabelais (1494-1533) konstatiert in seinem Werk Gargantua und Pantagruel, dass das Örtchen La Chartre-sur-le-Loir von Weinhändlern nur so wimmeln würde. Der Renaissancepoet Pierre des Ronsard (1524-1585), der aus der Gegend stammt, besang diese Weine in seinen Gedichten. Heinrich IV. (1553-1610) verlangte, dass sie auf dem königlichen Château de Saint-Germain-en-Laye serviert wurden. Und der Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) veranlasste erste Vermessungen der örtlichen Weinberge.

Dann kamen die holländischen Händler, die die Loire und ihre Nebenflüsse auf der Suche nach Weinen beschifften, die den gewaltigen Durst der Nordeuropäer stillen sollten. Diese Erfolgsgeschichte endete, als die Reblaus 1876 die Ufer des Loir erreichte. Und die Appellation, die 1948 ihren offiziellen Status erhielt, brauchte lange, um sich von diesem Schlag zu erholen. Im Jahr 1963 wurden gerade einmal 48 Hektoliter in der Region produziert, was weniger als sechseinhalbtausend Weinflaschen entspricht.

Mittlerweile aber gibt die Entwicklung der Appellation wieder ein durchweg positives Bild ab, das von einem stetig wachsenden Interesse der Weinwelt begleitet wird. Heute produzieren rund 30 Winzer auf ungefähr 80 Hektar Rebfläche, die sich in 22 Gemeinden zumeist auf südlich-orientierten Hängen befinden, jährlich weit über 300.000 Flaschen Wein. Und dennoch sind die Weine der Coteaux du Loir noch immer ein Geheimtipp für Trinkerinnen, die Weine außerhalb der ausgetretenen önologischen Pfade suchen.

 

Die Rebsortenvielfalt der Coteaux du Loir

Rund 40 Prozent des hier produzierten Weins stellen elegante, komplexe und mineralische Weißweine, die stets sortenrein aus Chenin blanc gekeltert werden - je nach Jahrgang knochentrocken oder mit einem deutlich vernehmbaren Restzuckergehalt, der durch die Kennzeichnungen sec tendre, demi-sec oder - in seltenen Fällen und dann mit noch höherem Restzuckergehalt – moelleux ersichtlich wird. Die Weine verfügen über einen straffen Körper und hohe Säurewerte, die in kühlen Jahren bei der unvorbereiteten Genießerin ein kurzzeitiges Entgleisen der Gesichtszüge auslösen können. Immer aber betören die Weine mit ausgeprägten Aromen von weißen Blüten, Quitte, Äpfeln, Bienenwachs und zarten Honiganklängen, oftmals erweitert um Anklänge an tropische Früchte und Pfirsich.

Weitere 40 Prozent sind Rotweine, die zum Großteil aus der Rebsorte Pineau d’Aunis gekeltert werden, mitunter aber auch Cabernet franc, Côt oder Gamay enthalten können. Sie zeichnen sich durch eine charakteristische pfeffrige Note, rote Beerenfrucht-Aromen, Schattenmorelle und kräuterige Akzente aus. Sie können durchaus rustikal ausfallen und verfügen stets über eine herrliche Frische, die sie unverkennbar als Cool-climate-Kreszensen ausweist.

Die restlichen 20 Prozent sind Rosé, die neben den im Rotwein zulässigen Rebsorten überdies Grolleau noir enthalten dürfen, wobei der Anteil in der Cuvée 25 Prozent nicht übersteigen darf. Diese Weine sind leicht, werden am besten jung getrunken und verfügen über eine lebhafte, rotbeerige Fruchtexpression.